Wärmepumpe und Photovoltaik: das ideale Paar — mit einer Einschränkung
Kaum eine Kombination wird beim Umstieg auf erneuerbare Energie so oft empfohlen wie Wärmepumpe plus Photovoltaik. Und tatsächlich passen die beiden gut zusammen: Die PV-Anlage produziert Strom, die Wärmepumpe macht daraus ein Vielfaches an Wärme. Jede Kilowattstunde selbst erzeugter Solarstrom, die in die Wärmepumpe fließt, ersetzt Netzstrom für rund 35 ct/kWh — erzeugt wird sie für nur 8 bis 12 ct/kWh Gestehungskosten.
Über das Jahr gerechnet senkt diese Kombination die Heizkosten eines durchschnittlichen Einfamilienhauses um 30 bis 50 % gegenüber reinem Netzbezug. Wichtig ist aber, eine Sache von Anfang an ehrlich einzuordnen — daran scheitern viele überzogene Erwartungen.
Der Haken: Wärme brauchen Sie im Winter, Solarstrom kommt im Sommer
Der größte Heizbedarf entsteht von Dezember bis Februar — also genau dann, wenn eine PV-Anlage in Deutschland am wenigsten liefert. Ein Dach, das im Juni 30 kWh am Tag erzeugt, schafft im Dezember oft nur 2 bis 4 kWh. Deshalb kann Solarstrom nur einen Teil des Wärmepumpen-Stroms direkt decken.
Realistisch: In der Jahresbilanz deckt eine PV-Anlage meist nur 25 bis 40 % des Wärmepumpen-Stromverbrauchs direkt. In den Kernheizmonaten liegt der solare Deckungsgrad nahe null. Wer etwas anderes verspricht, rechnet schön.
Das ist kein Grund gegen die Kombination — im Gegenteil. Aber der wirtschaftliche Hebel liegt weniger im „autarken Heizen” als in den Übergangszeiten (Frühjahr/Herbst), in der Warmwasserbereitung im Sommer und in der geschickten Steuerung über Speicher, Netzentgelte und dynamische Tarife.
Die Kennzahl, auf die es ankommt: die Jahresarbeitszahl (JAZ)
Die JAZ gibt an, wie viele Kilowattstunden Wärme eine Wärmepumpe aus einer Kilowattstunde Strom erzeugt. Je höher, desto weniger Strom brauchen Sie — und desto weniger fällt der begrenzte solare Deckungsgrad ins Gewicht.
| Wärmepumpen-Typ | typische JAZ im Bestand |
|---|---|
| Luft-Wasser-Wärmepumpe | ca. 3,1 |
| Erdwärmepumpe (Sole-Wasser) | ca. 4,1 |
| effizienter Neubau (Fußbodenheizung) | 4,5 und höher |
Eine JAZ von 3,1 bedeutet: Für 10.000 kWh Heizwärme brauchen Sie rund 3.200 kWh Strom. Bei JAZ 4,5 sind es nur noch 2.200 kWh. Entscheidend für eine hohe JAZ sind niedrige Vorlauftemperaturen — also große Heizflächen wie eine Fußbodenheizung, eine gute Dämmung und eine sauber ausgelegte Anlage. Hier zeigt sich, warum die Auswahl eines erfahrenen Fachbetriebs so wichtig ist.
So holen Sie mehr Solarstrom in die Wärmepumpe
Weil der direkte Deckungsgrad begrenzt ist, kommt es auf die Steuerung an:
- SG-Ready-Schnittstelle nutzen. Nahezu alle modernen Wärmepumpen tragen das SG-Ready-Label. Damit kann ein Energiemanagementsystem (HEMS) die Wärmepumpe gezielt einschalten, wenn die Sonne scheint.
- Warmwasser mittags bereiten. Legen Sie die Warmwasserbereitung auf die Mittagsstunden — dann läuft sie mit Solarstrom statt Netzstrom.
- Pufferspeicher als Wärmebatterie. Ein thermischer Pufferspeicher speichert überschüssige PV-Wärme und gibt sie abends ab. Das ist deutlich günstiger als ein Stromspeicher.
- Batteriespeicher. Ein Stromspeicher erhöht den Eigenverbrauch spürbar, rechnet sich für die Wärmepumpe allein im Winter aber kaum — er zahlt sich vor allem über den Haushaltsstrom aus. Mehr dazu im Ratgeber Solaranlage mit Speicher.
§14a EnWG: reduzierte Netzentgelte für Ihre Wärmepumpe
Seit 2024 gelten Wärmepumpen mit mehr als 4,2 kW Anschlussleistung als „steuerbare Verbrauchseinrichtung” nach § 14a EnWG. Der Netzbetreiber darf sie in Ausnahmefällen kurzzeitig drosseln (nie unter 4,2 kW) — im Gegenzug bekommen Sie reduzierte Netzentgelte. Sie wählen zwischen drei Modulen:
| Modul | Prinzip | Ersparnis pro Jahr |
|---|---|---|
| Modul 1 | pauschaler Rabatt, kein Extra-Zähler | ca. 106–210 € |
| Modul 2 | 60 % Rabatt auf den Arbeitspreis, eigener Zähler nötig | bis ca. 360 € |
| Modul 3 | zeitvariable Netzentgelte (seit April 2025), nur mit Modul 1 kombinierbar | je nach Nutzung |
Für die meisten Haushalte ist Modul 1 der einfachste Einstieg. Wer viel heizt und einen separaten Zähler hat, fährt mit Modul 2 oft besser.
Dynamische Stromtarife: heizen, wenn Strom billig ist
Seit dem 1. Januar 2025 muss jeder Stromversorger in Deutschland mindestens einen dynamischen Tarif anbieten, dessen Preis sich stündlich an der Strombörse orientiert. Für eine smart gesteuerte Wärmepumpe ist das interessant: Sie heizt bevorzugt, wenn viel Wind- und Solarstrom im Netz ist und die Preise niedrig — teils sogar negativ — sind. In Kombination mit einem HEMS lassen sich so noch einmal 5 bis 15 % der Stromkosten einsparen.
Voraussetzung ist in der Regel ein intelligentes Messsystem (Smart Meter). Das brauchen Sie ohnehin, wenn Sie parallel eine neue PV-Anlage betreiben — siehe dazu unseren Beitrag zum Solarspitzengesetz 2025.
Was das unterm Strich bedeutet
Realistisch gerechnet ergibt sich bei einem sanierten Einfamilienhaus mit PV-Anlage, Wärmepumpe und intelligenter Steuerung folgendes Bild:
- § 14a EnWG (Netzentgelt-Rabatt): ca. 150–360 €/Jahr
- dynamischer Tarif: ca. 70–200 €/Jahr
- direkter PV-Eigenverbrauch der Wärmepumpe: ca. 240–600 €/Jahr
Mit PV, Speicher und Energiemanagement zusammen sind Einsparungen von über 1.000 € pro Jahr gegenüber einer Gasheizung mit reinem Netzstrom realistisch — plus die staatliche Heizungsförderung über die Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG), die den Einbau der Wärmepumpe selbst bezuschusst.
Wärmepumpe und Photovoltaik gehören zusammen — aber nicht, weil die PV-Anlage im Winter die Heizung trägt (das kann sie nicht), sondern weil sie in Übergangszeiten und beim Warmwasser günstigen Strom liefert und weil sich beide über § 14a EnWG, dynamische Tarife und eine kluge Steuerung ergänzen. Entscheidend ist die saubere Auslegung durch einen Fachbetrieb. Nutzen Sie unseren Solarrechner für eine erste Ertragsprognose und finden Sie einen Solarteur in Ihrer Nähe, der PV und Wärmepumpe aus einer Hand plant.